„Dit ist keen Comeback. Dit ist einfach nur Musik.“
Icke & Er veröffentlichen mit L. I. B. E. ihr zweites Album. Anders als bei ihrem Erstlingswerk „Mach et einfach“ ohne Plattenvertrag, ohne Video und noch anonymer als bisher. Nicht einmal eine CD gibt es zu kaufen, dafür Vinyl oder MP3-Download. Und warum das alles? Man weiß es nicht. Vielleicht wegen Ers Gesundheit, denn Er ist laut Icke „ein kranker junger Mann“, dessen Körper „ein einziget Krisengebiet“ ist. Icke meint es ernst, wenn er in „In Memory Of Er“ ihm jetzt schon zusichert, ihn nie zu vergessen. Aber der wahre Grund scheint nach wie vor ein anderer zu sein: Icke & Er haben keinen Bock auf ein Promileben. Stattdessen sprechen sie anderen Prominenten wie Uschi Glas, Josef Ackermann und „J. B. K., alta, Johannes B. Kerner“ Komplimente aus und empfehlen den Hörern, bei menschlichen Verfehlungen Prominenter „einfach mal ’n Auge zuzudrücken“ („Meine Stars“, ist auch im Player unten zu hören). Trotz allem sind sie wieder da. Und das tut Icke sehr gut; er spürt neuen Lebensmut, vergisst seine alten Sorgen (die wir übrigens behalten können, „zusammenfalten oder vor die Tür stelln und zum Altpapier bring“) und eilt im Sauseschritt zu seinen Hörern („Wieder da“). Ein fast schon sentimentaler Opener.
Umso fröhlicher geht es dafür bei vielen anderen Liedern zu. Etwa als Icke nur „An Dir“ denkt, „zweimal die Woche Salsa tanzen“ geht, obwohl es ihn gar nicht interessiert, „sogar nett zu deene blöde, kleene Schwester“ ist, aber dann gesagt bekommt, dass sie sich freut, „dass wir die besten Freunde sind und uns jeden Tag sehn“ (ein anderes Liebeslied der besonderen Art ist „Ick & Du“). Oder auf „T.V.S.S.“, wenn Icke von fleischfressenden Verfolgern rappt und plötzlich mit dem Kommentar abbricht: „Ah, alta, weeß ick nisch, alta. Is irgendwie Quatsch.“ Und wirklich Sorgen um „die Finanzen“ macht Icke sich auch nicht – statt Aufregung empfiehlt er lieber einen Tanz zur „Finanzpolka“.
Auch das Selbstverständnis muss immer wieder gefunden werden: Was auf dem ersten Album „Wer Ick bin“ und „Ihr kennt uns nicht“ waren, sind jetzt „Angeschossen“, ein Skit über geeignete Beats, und „Sogar Icke“, in dem Icke seine Wurzeln erläutert und den Hörer dazu animiert, aus seinem Leben etwas zu machen, was auch immer die anderen sagen mögen.
Nachdenklicher, nahe am Philosophischen wird es gegen Ende des Albums. In gewohnt ernsthafter Nonsensemanier erzählt Icke: „Du bist berühmt, ick bin bekannt. / Du bist jebräunt, ick bin vabrannt“ („Verkannt“). Aber was machen diese Gegensätze aus? Es kann nicht viel sein, wie wir auf dem letzten Track erfahren: „Watt du ooch machst, wer du ooch bist, ob et dir passt oder ooch nisch [...] Ick sachs dir: Allet is eins“.
Und watt sache ick euch? Kooft euch dieset unverwechselbare Icke & Er-Album, ditt wie jewohnt nen janz eijnen Scham hat!
Was momentan passiert, nur drei Tage nach Gurus Tod, ist hart an den Grenzen des Anstands. Die Echtheit des von Solar veröffentlichten Briefs, den Guru angeblich kurz vor seinem Tod verfasst hat, wird von seiner Familie bezweifelt; doch nicht nur das, seine Familie dementiert außerdem, dass Guru seit dem 28. Februar überhaupt noch einmal aus dem Koma aufgewacht sei. Das Verfassen eines Briefes wäre also unmöglich gewesen.
Auf der anderen Seite stellt sich mir die Frage, wie Gurus Familie über seinen Zustand Bescheid wissen konnte, wenn Solar sie völlig von ihm fernhielt und Guru außerdem alle seine Rechte über Entscheidungen, die seine Gesundheit betrafen, auf Solar übertragen hatte (s. hierzu das Video von Gurus Neffen).
DJ Premier roch von Anfang an Lunte und äußerte das auch öffentlich: “What in Gods name is really going on with Guru??“ (7.3.2010) Vielleicht ist es Anstand, wenn er jetzt über Gurus angeblichen Brief “SPEAKING ILL OF ME“ lediglich sagt: “ALL I WILL SAY ABOUT IT IS THAT OUR TIME TOGETHER WAS BEAUTIFUL“, aber auf mich wirkt das ebenso wenig überzeugend wie Gurus Brief. Was hier tatsächlich vorgeht und gegangen ist, bleibt mir ein Rätsel. Wenn also niemand Klartext reden möchte, wünsche ich mir für Guru, dass Spekulationen über sein Ableben aufhören und er tatsächlich in pacem ruhen kann.
Mitte der 1980er Jahre entwickelte sich im Großraum Frankfurt am Main der „Sound of Frankfurt“. Anfangs bezeichnete der Begriff eine elektronische Musikrichtung, die vor allem durch Synthesizersounds geprägt war. Schnell mischte sich auch HipHop in die Einflüsse dieses Sounds. Das bekannteste Beispiel dieser Symbiose aus Elektro und Rap ist wohl „Mr. Vain“ von Culture Beat (1993):
Anmerkung: Da das offizielle Video von 1993 bei YouTube wieder einmal gesperrt ist, hier die Recall-Version von 2003
Das Lied ist bereits dem Eurodance zuzuordnen, ich führe es hier allerdings aufgrund des Produzenten Torsten Frenslau († 1993) als letzten Auswuchs des Sound of Frankfurt auf. MC auf diesem Track ist Jay Supreme, neben ihm ist noch Tania Evans zu hören. Als weiteres Beispiel der Band sei hier nur noch No Deeper Meaning erwähnt, auf dem Lana Earl singt.
Der einflussreichste Produzent aus der Szene war wohl Sven Väth. Er legte nicht nur im Dorian Gray den neuen Sound auf und eröffnete 1988 seine eigene Diskothek Omen, sondern gründete 1985 die (wahrscheinlich erste) Gruppe, die mit ihrem Stilmix kommerziell Erfolge feiern konnte: OFF, die „Organisation For Fun“. So erreichte etwa 1986 „Electrica Salsa“, das neben einem komischen Video auch einen ekstatisch stöhnenden Sänger vorzuzeigen hat, Platz 3 der deutschen Charts (IT: 1, AT: 2, FR: 3.) Bereits ihre erste Single „Bad News“ (1985) enthielt Rapparts, ebenso „Everybody Shake“ (1988). Mit „Hip Hop Reggae“ (1989) benannten sie ihre zweite Leidenschaft schließlich in einem eigenen Song.
Väth produzierte anschließend die Single „Dance Now“ (1990) für den Rapper Zyon, besser bekannt als Germ. Germs erstes Album „Zyon“ wird weitgehend von Väths Bekannten Matthias Hoffman, Steffen Britzke und Ralf Hildenbeutel produziert und erscheint 1992 über Eye Q Records, das von Väth gegründet wurde und zu diesem Zeitpunkt ein wichtiges Label und Spätvertreter des Sound of Frankfurt ist. Die bekannteste Single aus diesem Album, „No Fate“ von 1991, wird bereits der neuen Stilrichtung Trance zugeordnet, die Ähnlichkeit im Sound zur vorhergehenden Single ist dennoch unverkennbar. Auffallendste Änderung ist hier insbesondere die melancholische Grundstimmung des Tracks (vgl. hierzu auch „Raindrops“, 1992). Sein zweites Album „Spirit of Attitude“, das nunmehr unter dem Namen Da Germ erscheint, erscheint nur ein Jahr später. In diesem kurzen Zeitraum hat sich viel getan: Germ produziert alle Tracks mit, einen auch die Asiatic Warriors (Mitglieder waren unter anderem Azad und D-Flame), so dass die Breakbeats, die auf „Zyon“ kaum vertreten waren, hier ausschließlich zu finden sind. Außerdem erscheint das Album über Ruff-n-Raw, was Germs Kontakte in die HipHop-Szene eindeutig belegt.
Der Begriff des Sound of Frankfurt geht schließlich Mitte der Neunziger in die vielen Einzelbezeichnungen der Elektroszene über. Sein Einfluss reicht, wie dargelegt, über die elektronische Musik hinaus; es ist beachtlich, dass dieser anfangs lokale Sound auch ganz andere Musikrichtungen beeinflussen und vorantreiben konnte.
Ob Team Avantgarde tatsächlich ihrer Zeit voraus sind, weiß ich nicht; mir gefällt ihre Musik jedenfalls jetzt schon. Daher freue ich mich schon tierisch auf ihr Album „Paradox“, das am 9. April 2010 erscheinen soll. Rechts seht ihr das Cover zum neuen Album.
Team Avantgarde sind Phase (Rap) und Zenit (Beats). Sie kommen aus Berlin-Schöneberg und sind seit Labelgründung bei Edit Entertainment gesignt. Charakteristisch für ihre Lieder sind Phases einprägsame Stimme und seine besondere Art von Flow und Text; auch Zenit entwickelt mit jedem Track eine ganz eigene, außergewöhnliche Klangästhetik. Ein tolles Beispiel vom letzten Album „Absolut“:
Swing wie Al Caiola 2
Ihre Einstellung zu Musik fasst Zenit im Interview zu „Paradox“ folgendermaßen zusammen: „Musik ist Flucht, aber nicht nur Musik, alles, vieles ist Flucht, vielleicht auch der Alkohol..."
Zwei Hörbeispiele und einige andere Informationen zum Album (z. B. Tracklist) gibt es momentan auf MySpace: „Sometimes“ feat. Gris, Amewu, Wakka & DJ Fiks, das den Labeltrack des Albums darstellt und mir einige Freude bereitet; sowie „30m²“, in dem Phase wieder einmal sehr persönlich wird. Ich hoffe auf ein insgesamt ebenfalls so großartiges Album!
Der erste Monat Mondkultur ist vorbei. Wie erwartet hat sich der Schwerpunkt eindeutig auf Musik gelegt, speziell Black Music, aber auch Verweise auf Aktuelles, zum Beispiel die Winterspiele 2010, oder auf Skurriles wie diese Website haben ihren Platz gefunden.
Nun habe ich die Ehre, mit meinem kleinen Podcast namens „plan?“ den Monat zu beschließen. Es ist ein eher ruhiger, enstpannter Mix, hier die Tracklist:
1. Fat Freddy’s Drop – Hope (Best Seven Selections, 2003)
2. Zion I – Flow (The Collection, 2004)
3. RAG – Kopfsteinpflaster (Unter Tage, 1998)
4. Absolute Beginner – Fahr’n (Bambule, 1998)
5. Torch feat. Toni-L – Wer bin ich (Blauer Samt, 2000)
6. US3 – Cantaloop (Hand on the Torch, 1993)
7. D-Flame feat. Guru – Universal (Basstard, 2000)
8. Rakim – Guess Who’s Back Bummtschack Remix (Feeling good with Bummtschack, 2007)
9. Zero 7 feat. Sia Furler & Sophie Baker – Destiny (Simple Things, 2001)
10. Culcha Candela – Who got the key (Next Generation, 2005)
Über Culcha Candela darf man sich nicht wundern, dieses Lied stammt aus der Zeit vor „Hamma“, „Monsta“ usw. Die Jungs hatten ihre ersten Veröffentlichungen als Soundtrack zu „Rolling Stars 3“, einem Graffitivideo, das ganz bestimmt nicht Mainstream ist – „Who got the key“ also bitte vorurteilsfrei anhören.
Sonst ist einiges deutsches „classic material“ dabei, unter anderem die Beginner und Torch, drumherum auch weniger bekannte englischsprachige Tracks, zum Beispiel ein Feature von Guru (Gang Starr), der hier zusammen mit D-Flame rappt. Das Feature ist kein Promogag, sondern eine Freundschaftssache. D-Flame (damals noch als Asiatic Warriors mit Azad) lernte Guru in den frühen Neunzigern auf einem Gang Starr-Konzert kennen, seitdem brach der Kontakt nie ganz ab. Ebenso ein feiner Rakim Remix von Bummtschack, einem Bielefelder Beatbastler, der mir auch kein Begriff wäre, wenn ich ihn nicht bei MySpace getroffen hätte.
„For your visual entertainment here's the music video for London-based electronica artist Dan Black's Symphonies remix with Kid Cudi. The video combines retro and futuristic visual references to give you a video with a different spin on it.“
Die MP3Datei dieses amüsanten Videos kann hier kostenlos heruntergeladen werden.
Ryoma habe ich das erste Mal Mitte März letzten Jahres gesehen, damals im Magnet als Vorgruppe von FlowinImmO. Ryo, der MC mit japanischen Wurzeln, und algorythmiker, Produzent und DJ, beeindruckten vor allem durch entspannte Lieder und Texte, die durch ihre ungewohnte Art hervorstechen. Morgen werden sie bei End of the Weak im Cassiopeia zu Gast sein.
Einlass ist ab 23 Uhr. Neben Ryoma feiert badkat Releaseparty, außerdem sind k-the-i???, DJ V.Raeter und einige andere engagiert. Wer guten, chilligen Rap mag, dem kann ich dringend Ryoma empfehlen. Morgen abend wäre eine gute Gelegenheit, sie kennenzulernen.
Als wahrscheinlich 4. Rap auf deutsch erschien 1986 "Der Anmacher (Isn't he sweet)" auf LP/CD/MC, veröffentlicht über Polydor.
"Gerappt" von Dieter Landuris (Anm.: Die Video-Version ist eine andere als die auf der LP von '86)
Das Lied ist Teil des Musicals "Linie 1", in dem ein "Mädchen aus der Provinz" nach Berlin kommt, um einen Musiker zu suchen, in den sie sich verliebt hat. Dabei erlebt sie in der U-Bahn viele verschiedene Situation aus dem Berlin der 80er Jahre. Das Stück wurde von Birger Heymann, dem musikalischen Leiter des Musicals, und George Kranz komponiert, der schon mit Samuel L. Jackson zusammenspielte und dessen Beat "Din Daa Daa" Grundlage für Ying Yang Twins' "Shake" war (2006 erhielt er deshalb zusammen mit den YYT Platin). Den Text schrieb Volker Ludwig, der als Begründer des modernen Kindertheaters angesehen wird. Der Beat ist wohl an zeitnahe US-Produktionen angelehnt, im Text finden sich folgende Anspielungen auf US-Texte: "hip hip, a hippedihiphip" in Anlehnung an "Rapper's Delight", sowie "ahahaha..." "The Message" nachahmend. Immerhin wirkt der Text im Vergleich zu "Rapper's Deutsch" schon deutlich ausgereifter. Größere Bekanntheit erreichte "Du bist schön auch wenn du weinst (Marias Lied)", das unter anderem die Beatsteaks 2002 unter dem Titel "Hey Du" coverten.
Der erste Tonträger mit deutschem Rap war eine 7" von GLS-United mit dem Titel "Rappers Deutsch". Sie erschien 1980 über Metronome Musik GmbH (ein Label, das auch später noch Jazz und Rap publizierte, von 93-96 auch Die Ärzte).
Bei dem Lied handelt es sich um ein Cover von Sugarhill Gang's "Rapper's Delight". Produziert wurde es von Harold Faltermeier und Hans Scherer (erstgenannter produzierte 1985 Axel F, das "Beverly Hills Cop" Theme). GLS-United war ein Trio aus damals populären Rundfunkmoderatoren, nämlich Thomas Gottschalk, Frank Laufenberg und Manfred Sexauer. Trotz der individuellen Aussagen der Texte schrieb keiner der drei seinen Text selbst ("dt. Text: Horst Mittmann/Michael Bollinger", Zitat vom Aufdruck auf der Platte). Bei diversen Live-Auftritten im Fernsehen wurde entweder playback oder vom Blatt gerappt. Das Lied erreichte im April 1980 Platz 49 der deutschen Charts. Ein (ähnliches?) Cover machte Günter Fink, damals Moderator bei NDR 2 ("Rapper's Fink"); leider finde ich hierzu keine weiteren Informationen.
Das nächste populäre deutsche Lied, das Rap enthielt, erschien 1982. Es war Falcos "Der Kommissar".